Zweiter Teil zur Ibanez AZ-Serie 2018

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Im ersten Teil unseres Artikels (Ibanez AZ-Serie 2018 - Erste Eindrücke) haben wir uns die Innovationen der AZ-Serie angeschaut und sowohl in der Konstruktion als auch bei der Elektronik großartige Ideen entdeckt. Nun teilt sich die Serie noch in zwei Modellgruppen auf, nämlich Prestige und Premium. Doch was bieten die einen und was die anderen?

  1. Ibanez AZ Prestige
  2. Ibanez AZ Premium
  3. Zubehör
  4. Fazit zur Ibanez AZ-Serie

Ibanez AZ Prestige

Der Unterschied zwischen Prestige und Premium ist auf den ersten Blick gar nicht so leicht zu erkennen. Der Halsaufbau sowie die Hardware sind schließlich die Quintessenz der AZ-Serie und sollten auf beiden Modellgruppen zu finden sein. Schauen wir uns zunächst die Prestige-Modelle an, die sich in drei Bezeichnungen aufteilen Jede davon führt eine vierstellige Nummer.

AZ2402 ist das Modell mit zwei Humbuckern und 24 Bünden. Das ermöglicht nicht nur höhere Töne, sondern rückt auch den Hals-Humbucker Richtung Steg, was ihn klanglich wiederum transparenter und knackiger macht. Das Zusammenrücken aller Tonabnehmerspulen spielt außerdem bei der Verschaltung und den entstehenden Sounds eine große Rolle. Um amtliche Strat-Sounds zu erzielen, sollten die beiden inneren Spulen möglichst dicht beisammen liegen. Das Modell kommt mit einem Korpus aus Erle und ohne Schlagbrett, wahlweise ist ein transparentes, Fender-artiges Dreiton-Sunburst-Finish in Hochglanz erhältlich oder aber eine deckende, matte Lackierung in Ice Blue Metallic.

Die beiden weiteren Modelle, AZ2204 und AZ2204F sind sich recht ähnlich. Beide haben einen Korpus aus Erle und einen Hals mit 22 Bünden, das F-Modell hat zusätzlich eine Decke aus geflammtem Ahorn. Logisch, dass diese eine transparente Hochglanzlackierung mit dem Namen Aqua Blue trägt, wohingegen die reine Erle-Ausführung deckend in mattem Metallic Blue lackiert ist. Diese beiden sind mit einer HSS-Bestückung ausgestattet und damit die klassische Ausführung einer Power-Strat: Fetter Humbucker am Steg, aber am Hals und in der Mitte dürfen amtliche Singlecoils ran.

ibanez-az-premium

Die Geschichte der Premium-Modelle ist vermeintlich schnell erzählt, denn sie unterscheiden sich in ihrem Aufbau in vielen Punkten nicht wesentlich von denen der Prestige-Serie. Die Auswirkungen der Unterschiede sind jedoch frappierend.

Zunächst einmal ist der Name etwas irreführend, denn tatsächlich ist Prestige die hochwertigere Modellreihe. Die Premium-Modelle werden kostengünstiger in Indonesien gefertigt, greifen jedoch auf fast dieselbe Hardware, Elektronik und denselben Halsaufbau zurück wie die Prestige-Modelle. Unterschiede: Zum einen ist der Sattel aus selbstschmierenden TUSQ statt Knochen, zum anderen ist die Brücke aus einem Zinkblock mit Stahlreitern.

Die Holzauswahl ist jedoch eine völlig andere, denn statt aus Erle ist der Korpus der Premium-Modelle aus Linde gefertigt. Erle als Tonholz liefert knackige, straffe Bässe, viele Höhen und ein perliges Obertonspektrum. Über Linde sagen böse Zungen, es klinge nach gar nichts. Objektiv betrachtet ist das aber Humbug, denn jede Holzart erzeugt bei Schwingungen irgendeinen Klang. Tatsächlich ist es so, dass Linde ein sehr ausgewogenes, aber zurückhaltendes Spektrum bildet. Es hat in gleichem Maße Bässe, Mitten und Höhen, aber alle klingen eher gedeckt und nicht sehr dominant. Es liefert Sustain, aber auch gutes Attack. Kurzum, es hat von allem etwas und betont keine Frequenz über. Es hat, wenn man so will, weniger Charakter als Erle, Esche, Mahagoni, Ahorn oder Palisander, kommt aber mit allen Soundvariationen klar. Egal, ob clean oder High Gain, ob pur gespielt oder mit vielen Effekten, es gibt dem Spieler die Möglichkeit, den Sound mithilfe von Verstärker und Equalizer wirkungsvoll zu formen.

Doch genug zur Tonholz-Theorie, die Wahrheit liegt schließlich in der Praxis. Die Premium-Modelle erkennt man an ihrer dreistelligen Nummerierung. AZ242F beschreibt die Variante mit 24 Bünden und zwei Humbuckern, AZ224F diejenige mit 22 Bünden, Schlagbrett und HSS-Konfiguration. Hinsichtlich Verschaltung gleichen sie ihren Schwestermodellen der Prestige-Reihe. Als optisches Schmankerl tragen beide ein geflammtes Ahornfurnier. Das ist allerdings tatsächlich reine Optik, denn aufgrund der geringen Stärke dürfte es keinerlei relevanten Einfluss auf den Klang haben.

Die Lackierungen, die bei der Premium-Serie allesamt in Hochglanz ausgeführt sind, nutzen die optische Basis des Ahorns perfekt aus. Beim HSS-Modell verschwimmt Blue Iceberg über die Korpuslänge hinweg von einem Tiefblau zu kaltem Türkis, Brown Topaz von innen gelb zu außen rotbraun. Die Humbucker-Version in Tequila Sunrise macht jeder Cocktailbar Ehre, über die Korpuslänge hinweg wird Tiefrot zu grellem Gelb. Kurzum, optisch ist das auf jeden Fall Premium.

Einen kleinen Stilbruch bietet das Modell AZ242BC. Auf dem Lindekorpus thront hier ein Furnier aus Bocote. Bocote, ein tropisches Holz wie auch das artverwandte Ziricote, ist optisch und klanglich dem Palisander ähnlich. Um die spektakuläre, tiefbraune Maserung zu unterstreichen, trägt das transparente Hochglanz-Finish den Namen Deep Espresso Burst. Doch auch hier ist das Furnier zu dünn, um klanglichen Einfluss zu üben. Schade, denn Bocote hätte der Gitarre eine schöne Ausprägung im Bassbereich sowie ein reichhaltigeres Oberstonspektrum verleihen können.

Zubehör

Alle Gitarren kommen inklusive des üblichen „Case Candy“: Einstellwerkzeug, Bedienungsanleitung, Garantiehinweise und dergleichen mehr. Die Prestige-Modelle werden mit Hartschalenkoffern ausgeliefert, was man in dieser Preisregion aber auch erwarten kann. Die Modelle aus Erle beginnen ab einer UVP von ca. 1.990 Euro, mit Ahorndecke sogar ab ca. 2.490 Euro. Die Premium-Modelle sind, dank Holz und Fertigung in Indonesien, schon ab ca. 1.199 Euro UVP erhältlich und kommen in einem Gigbag. Es bleibt abzuwarten, wo sich der reale Straßenpreis jeweils einpendeln wird.

Fazit zur Ibanez AZ-Serie

Ibanez schickt ein echt schickes Brett ins Rennen – und das nicht nur optisch. Die Innovationen sind zwar keine völligen Neuheiten, denn andere Hersteller und selbst hauseigene Modellreihen bieten schon ähnliches, doch die Kombination all dieser Features summiert sich zu einer deutlich spürbaren Hochwertigkeit der AZ-Serie. Egal, ob in Japan oder Indonesien gefertigt, Ibanez bringt hier Modelle auf den Markt, die das Potential haben, echte Kassenschlager zu werden.

Klanglich sind die Modellkonfigurationen sehr interessant. Die Prestige-Modelle aus Erle klingen authentisch nach moderner Strat und melden daher berechtigte Ansprüche an, die ultimative Power-Strat zu sein. Die Premium-Modelle aus Linde schlagen dagegen stärker in die Richtung anderer Ibanez-Vertreter. Sie eignen sich nicht nur für den schmaleren Geldbeutel, sondern vor allem für die Player, die mehr auf High Gain und viele Effekte als auf ausdrucksstarke Clean- und Crunch-Sounds setzen.

Die gesamte AZ-Reihe ist jedoch auf das typische Ibanez-Publikum ausgerichtet und bietet Vielseitigkeit und typische Mid-Scoop-Sounds statt höhenreicher, klingelnder Klänge einer klassischen Stratocaster. Das muss man schon wollen, um es zu mögen! Allerdings machen sie auch bei cleanen Klängen eine gute Figur, vor allem die Prestige-Modelle müssen sich vor keinem verstecken. Alle Modelle sind auf Vielseitigkeit ausgerichtet und die Verschaltung ermöglicht viele Soundvarianten. Ein Hinweis muss aber sein: Ein Humbucker im Split-Coil-Modus klingt einfach nicht wie ein echter Singlecoil, es fehlt schlichtweg etwas Bauch, Fundament und klangliche Tiefe. Aber die parallel geschalteten Einzelspulen sowie die seriellen Singlecoils sind überraschend musikalisch und sinnvoll!

Insgesamt ist die AZ-Serie auf dem Papier mehr als nur gelungen. Auch erste Demos und Tests zeigen, dass sie sowohl treuen Ibanez-Spielern als auch interessierten und offenen Nutzern anderer Marken eine Heimat bieten dürfte. Unsere Empfehlung: Dringend mal checken! Die insgesamt sechs AZ-Modelle decken nicht nur preislich eine große Bandbreite ab, sondern unterscheiden sich auch untereinander so deutlich, dass jedes davon seine Daseinsberechtigung hat. Wer auf einen Power-Strat-Sound steht, also geschraubter Ahornhals in Verbindung mit Humbuckern, dürfte sowohl bei den HH- als auch bei den HSS-Varianten gut aufgehoben sein.

Informationen zum Hersteller:

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