Gitarrenverstärker VOX MV50

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Gitarrenverstärker VOX MV50 Bild 3

Kleiner, leichter, besser - so lautet das aktuelle Motto für Gitarrenverstärker. Wo früher größer und leistungsstärker gefordert war, suchen die Gitarristen heutzutage transportable Amps, die schon bei niedriger Lautstärke den Sound großer Stacks liefern können.

Nach und nach bringen daher viele Hersteller Mini-Amps auf den Markt, die den Klang der großen Originale möglichst authentisch wiedergeben sollen. Die Palette ist dabei schier unerschöpflich, denn die Technik bietet viele Möglichkeiten und Ansätze, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen. Was darf es sein: Combo oder Topteil mit Box? Röhre, Transistor oder Hybrid? Analoge Bauweise oder digitales Modeling? Und dann erst die Ausstattung… wie viele Kanäle? Eingebaute Effekte, Effektschleife, wie viele Equalizer?

  1. VOX MV50 - Weniger ist mehr
  2. Nutube – neu ist immer besser, oder?
  3. Die passende Box
  4. Drei Amps, drei Sounds? VOX MV50 AC, Clean und Rock
  5. Fazit zum VOX MV50
  6. The VOX MV50 – A revolutionary new amplifier

VOX MV50 - Weniger ist mehr

Auch VOX führt entsprechende Modeling-Amps und kleine Versionen der AC-Klassiker, zum Beispiel den AC10. Doch das MV50-Konzept stellt einen revolutionären Ansatz dar, nutzt es doch Technologien, die es bisher so nicht gab – zumindest nicht in der Welt der Gitarrenverstärker. Doch der Reihe nach, bleiben wir erst einmal an der Oberfläche.

Wir sehen zunächst, dass die Reihe MV50 drei verschiedene Modelle bietet: AC, Clean und Rock. Grundsätzlich sind alle identisch aufgebaut. Auf der Frontplatte finden wir drei Regler, nämlich Gain, Tone und Volume mit VOX-üblichen Chickenhead-Drehreglern. Außerdem haben wir einen klassischen Klinken-Input sowie eine VU-Anzeige. Diese zeigt, ganz analog, den aktuellen Output des Verstärkers. Warum ist das wichtig? Weil die Verstärker jeweils ähnlich funktionieren wie der erste Kanal eines AC30. Gain (aka „Normal Volume“) regelt den Eingangspegel, Volume die Lautstärke. Der Klang ist nur mit dem Tonregler (analog zum AC30 „Master Tone Cut“) beeinflussbar, der Höhen und obere Mitten dämpft. VOX beschränkt sich bei der Klangformung dieser Mini-Amps auf das absolut notwendigste.

Entsprechend spartanisch ist die Rückseite aufgebaut. Dort finden sich der An-/Aus-Schalter und ein Standy-Schalter, denn der Verstärker wird tatsächlich von einer Röhre betrieben! Mehr dazu später. Die Rückseite bietet außer dem Netzanschluss (Achtung, 19 Volt, nur mit dem mitgelieferten Netzteil zu betreiben!) auch einen Kopfhörerausgang (der auch als Line-Out mit Speaker-Simulation arbeitet) sowie den Anschluss für einen Lautsprecher. Die EQ-Wirkung lässt sich auf „Flat“ und „Deep“ voreinstellen. Der Attenuator dämpft die Leistung der Endstufe in drei Stufen: 50, 25 und 12,5 Watt. Je niedriger die Leistungsstufe, desto höher die benötigte Boxenimpedanz. Beim Anschluss ist also etwas Vorsicht geboten.

Nutube – neu ist immer besser, oder?

Auch wenn man es kaum für möglich hält, werden die MV50-Amps mit einer Vakuumröhre angetrieben. Allerdings ist hier nicht, wie bei VOX seit Jahrzehnten üblich, eine 12AX7 im Großformat eingebaut. Vielmehr wird die Vorstufe von einer unscheinbaren, kleinen Röhre mit der Bezeichnung „Nutube 6P1“ angetrieben. Wie schon bei der LED-Technik oder bei Schaltplatinen, erlaubt es die moderne Technologie, das Vakuum auf deutlich kleinerem Raum zu erzeugen. Durch eine Plexiglasöffnung auf der Oberseite sehen wir das kleine Bauteil, das nicht größer aussieht als ein Computerchip. Und doch sind hier Kathode, Anode und Triode am Werk – im Miniaturformat.

Obwohl die Class-D-Endstufe mit analogen Halbleitern arbeitet, soll die Nutube in der Vorstufe die Dynamik, das Zerrverhalten sowie das Obertonspektrum einer „echten“ Verstärkerröhre bieten. Dabei soll sie gleichzeitig deutlich robuster und weniger störanfällig sein, eine Lebensdauer von bis zu 30.000 Spielstunden bieten und mit gerade einmal zwei Prozent der für den Betrieb einer 12AX7 benötigten Energie äußerst sparsam arbeiten. VOX verspricht, mit ihr den allseits bekannten und beliebten Klang seiner Klassiker abzubilden und das mit immerhin 50 Watt Ausgangsleistung bei einem Kampfgewicht des gesamten Verstärkers von nicht einmal 600 Gramm. Statement!

Die passende Box

Um das Konzept zu vollenden, schickt VOX zwei völlig neu entwickelte Boxen ins Rennen. Das Miniaturformat bietet hierbei die BC108. In ihr sitzt ein einzelner, speziell für diesen Zweck entwickelter 8-Zoll-Speaker, der möglichst viel Volumen, Bass und Mittenkomplexität entfalten soll. Wer es etwas größer braucht, findet bei VOX auch das Modell BC112. Darin sitzt eine V-Type der Firma Celestion, also ein klassischer 12-Zoll-Speaker mit einem besonders satten, warmen Ton. VOX empfiehlt diese beiden Kombinationen, da die Klangeigenschaften der Boxen speziell auf die Eigenheiten der MV50-Reihe abgestimmt sind.

Drei Amps, drei Sounds? VOX MV50 AC, Clean und Rock

Doch genug der Worte – hören muss man die kleinen Kerle! Fangen wir bei der AC-Version an, also der Version, die den bekannten Chime und aufbrechenden, glockigen Crunch des zweiten Kanals des AC30 bieten soll. Und höre da, was aus der Box kommt, ist erstaunlich und sehr vertraut. Man hört all die Qualitäten, die die Marke VOX berühmt gemacht haben. Straffe Bässe, glockige Mitten und das Kratzen der reichen Höhen- und Obertonstruktur. Und doch, etwas fehlt einfach. Der Klang ist definitiv näher dran am Original als digitales Modeling, doch die klangliche Tiefe und das komplexe Muster an Obertönen bei sanftem bis mittlerem Crunch kann dieser Amp nicht bieten.

Die MV50 Clean-Version hat diesen Anspruch gar nicht erst, sie soll vollkommen clean und klar bleiben. Das tut sie auch, und zwar mit Bravour. Selbst bei voller Leistung und allen Reglern auf Rechtsanschlag bleibt der Klang absolut clean. Natürlich werden die Bässe und Höhen präsenter, die Speaker werden stärker gefordert, ein schöner, bissiger Twang stellt sich ein, aber aufbrechenden Crunch sucht man hier vergebens. Und damit erfüllt der Amp seine Aufgabe zu 100 Prozent. Er liefert den Clean-Sound, für den der erste Kanal des AC30 bekannt ist. Er verträgt sich dabei außerordentlich gut mit vorgeschalteten Zerrpedalen und ist daher mitnichten eindimensional, sondern bietet eine Menge Klang in diesem kleinen Paket.

Die dritte Version, der MV50 Rock, setzt wiederum am anderen Ende des Spektrums an, nämlich da, wo die MV50 AC-Version endet. Er bietet in den niedrigsten Gain-Stufen einen schön aufplatzenden Crunch und arbeitet sich in die 80er-High-Gain-Gefilde mit britischem Charakter vor. Wer modernen Metal-High-Gain braucht, ist hier natürlich falsch. Aber der MV50 bietet ein ordentliches Rockbrett, mehr, als seine Vorfahren der AC30- und AC15-Reihen es jemals tun würden. VOX schaut dabei also durchaus etwas über den Tellerrand. Der Rock erfüllt seine Aufgabe dabei ebenfalls sehr gut. Ebenso wie das Clean-Modell bewegt er sich ausschließlich in seiner Gain-Struktur, er ist nicht glockenklar clean zu bekommen – außer mit Singlecoils, zurückgedrehtem Volume auf der Gitarre und zurückhaltender Spielweise. Doch wie die AC-Version zeigen sich hierbei die Schwächen: Das Rockbrett kommt sehr solide und mit ordentlich Power daher, aber bei den komplexen Zwischenklängen, den obertonreichen Crunch-Sounds, da hören wir, dass eben keine klassische Röhre in der Vor- und Endstufe arbeitet.

Ein Wermutstropfen ist außerdem der nicht vorhandene Einschleifweg für Effekte. Bei der Clean-Version ist das kein Problem, von Overdrive bis Halleffekten kann alles vor den Amp gepackt werden. Bei der Rock-Version funktioniert das leider nicht und so kann man nur den Line-Out missbrauchen, um zum Beispiel ein Delay nachzuschalten, braucht dann aber auch einen zweiten Amp als Endstufe.

Noch ein Wort zur Wirkung des EQ: „Deep“ soll dem Sound Tiefe und Bass verleihen. Die ganze Konstruktion mitsamt beiden Boxenmodellen ist darauf ausgelegt, die Physik auszutricksen und mit kleinen Gehäusen den mächtigen Klang größerer Verstärker und Boxen nachzuahmen. Das gelingt nur bedingt, denn natürliche Resonanz klingt einfach anders als künstlich erzeugte, tiefe Frequenzen. Den direkten Vergleich erhält man, wenn man den MV50 mit „Flat“ EQ an eine 2x12er oder gar 4x12er Box anschließt.

Fazit zum VOX MV50

Das Fazit fällt dennoch sehr gut aus. Denn was diese kompakten, kleinen Amps an die Ohren zaubern, ist schon ein Kunstwerk. Doch der Physik sind Grenzen gesetzt und nach wie vor bleibt der Klang alter Röhren unerreicht. Aber die Nutube ist ein revolutionärer Ansatz, deren Potential noch längst nicht ausgeschöpft ist. Wer weiß, mit etwas Entwicklungsarbeit und Feintuning ist das vielleicht die Technologie der Zukunft? Denn hinsichtlich Wirkungsgrad, Lebensdauer und Wartungsaufwand ist diese neue Röhre ihren klassischen Vorfahren bei weitem überlegen.

The VOX MV50 – A revolutionary new amplifier

Informationen zum Hersteller:

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